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Flucht über die Rattenlinie? Jagd auf Kriegsverbrecher aus Bayern | Die Story | Kontrovers | BR24

BR24
Als am 11. April 1961 in Jerusalem der Prozess gegen Adolf Eichmann beginnt, leben viele Kriegsverbrecher aus der Nazi-Zeit unter falschem Namen in Südamerika oder dem Nahen Osten. Doch der Mossad ist einigen von ihnen auf der Spur. Er sucht nach Josef Mengele, dem Todesengel von Auschwitz. Er jagt sogar Heinrich "Gestapo" Müller, unwissend, dass der schon längst tot ist. Aber ein Kriegsverbrecher lebt unterdessen unter seinem echten Namen in seiner bayerischen Heimatstadt: Ein SS-General, der für den Tod von zehntausenden Menschen verantwortlich ist.

Der gebürtige Münchner SS General Franz Josef Huber zählte zu den wichtigsten Männern des NS-Terrorapparates. Der oberste Gestapo-Chef Nazi-Deutschlands, Heinrich Müller, war sein Duzfreund; der Chef des Reichssicherheitshauptamtes, Reinhard Heydrich, schätzte ihn und Heinrich Himmler, der Reichsführer SS, förderte ihn. Kurz nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland wurde Huber im Frühjahr 1938 Chef der Wiener Gestapo, die mehr Mitarbeiter hatte als die Berliner Zentrale.

Der Münchner Historiker Michael Holzmann publizierte die erste Biographie über Huber. Er meint: "Er konnte über Leib und Leben der Menschen bestimmen, wie es ihm gefallen hat." Trotzdem gehört Huber zu jenen NS-Kriegsverbrechern, die nicht für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen worden sind.

Wie 1945 verschwindet Huber wie andere bayerische NS-Verbrecher, darunter der Arzt Josef Mengele oder Gestapo-Chef Heinrich Müller von der Bildfläche. Mengele flieht über die sogenannte Rattenlinie nach Südamerika. Müller kommt, so der aktuelle Stand der Forschung, beim Kriegsende 1945 in Berlin ums Leben.

Franz Josef Huber - der Schattenmann
Und Huber? Von dem Schattenmann gibt es kaum ein Foto. Auch sein Todesdatum war nicht bekannt. Bislang unbekannte Unterlagen aus dem Archiv des Bundesnachrichtendienst (BND) und gemeinsame Recherchen der Politikmagazine Kontrovers und report München zeigen erstmals, wie der BND Huber anwarb, versorgte und sich um seine Absicherung kümmerte. Weithin unbekannt: Zuvor nahm ein US-Nachrichtendienst Huber, der über jede Menge Herrschaftswissen verfügte, unter seine Fittiche. Die Amerikaner verfassen für Huber einen Persilschein, den dieser bei seiner Entnazifizierung benutzt.

Doch nicht Huber, sondern Heinrich Müller, der höchste Gestapo-Chef Nazi-Deutschlands, gerät Anfang der 1960er Jahre in das weltweite Visier von Fahndern und Nachrichtendiensten. Auch der israelische Auslandsdienst Mossad ist der Überzeugung, dass Müller noch am Leben ist. Eine tragische Fehleinschätzung. Am 2. November 1967 kommt es in München-Pasing zu einem mysteriösen Einbruch in die Wohnung der Frau von Heinrich Müller. Zwei israelische Staatsbürger werden auf frischer Tat ertappt und von der Polizei festgenommen. Recherchen von Kontrovers und report München zeigen jetzt: Es handelte sich um eine gescheiterte Mission des Mossad.

Der israelische Experte für die Geschichte der Nachrichtendienste, Shlomo Shpiro, fand einen viele Jahre lang unter Verschluss gehaltenen Bericht des Mossad, der dies belegt.

"Man hat versucht, seine Handschrift zu finden, vielleicht Briefe oder irgendwelche Kommunikation zwischen ihm und seiner Familie hier in Deutschland." Prof. Shlomo Shpiro, Bar-Ilan-Universität Israel

Währenddessen lebt Franz Josef Huber nur eine halbe Fahrstunde entfernt in seiner Münchner Wohnung. Er wird sich nie für seine Taten verantworten müssen. Ebenso wie der mörderische Arzt Josef Mengele aus Schwaben. Huber stirbt im Januar 1975 in einem Krankenhausbett. Mengele kommt 1979 in Brasilien bei einem Badeunfall ums Leben.

Autor: Christian Stücken

Aus der Sendung vom 7.4.2021

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